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Vanlife

Vanlife, die Lust am Leben und Reisen im Van

In einem Camper oder Wohnmobil zu leben galt früher noch als Randerscheinung und wurde hauptsächlich mit Aussteigern oder Hippies in Verbindung gebracht.

Heute hat sich dieses Konzept weiterentwickelt und ist unter dem Namen Vanlife zu einem neuen Lebens- und Reisestil geworden.

Auch uns hat der minimalistische Ansatz und das aufs Wesentliche reduzierte Konzept angesprochen… na ja, eher fasziniert und nicht mehr losgelassen. Was dazu geführt hat, dass wir unseren Mietvertrag gekündigt haben und in unseren selbst ausgebauten Camper gezogen sind.

In diesem Beitrag wollen wir daher mal einen genaueren Blick auf das Thema Vanlife, und was alles damit zusammenhängt, werfen.

Was bedeutet Vanlife?

Wörtlich übersetzt, bedeutet das Wort Vanlife erst mal nichts Anderes als in einem Van zu leben. Das kann dauerhaft, aber auch “nur” während eines Urlaubs oder mal übers Wochenende sein. Der zeitliche Rahmen wird über den Begriff ja nicht festgelegt.

Vanlife ist aber mehr als sich einfach nur für eine gewisse Zeit in seinem fahrbaren Untersatz aufzuhalten.

Für uns bedeutet es vor Allem Freiheit und Abenteuer. Dazu gehört für uns auch von der Norm abzuweichen, uns zu minimalisieren und die Möglichkeit unseren Alltag an einen beliebigen Ort verlagern zu können, wann immer wir es möchten.

Der minimalistische Ansatz ist eines der Dinge, die uns besonders am Vanlife faszinieren. Wir haben nur noch das dabei, was wir zum Leben brauchen und worauf wir nicht verzichten möchten, bzw. wir lernen gerade welche Dinge das sind.

Vanlife in Norwegen

Die Geschichte des Vanlife

Ende der 2000er setzte der amerikanische Fotokünstler Foster Huntington das erste Mal den Hashtag #vanlife. Dieser Begriff verhalf dem zuvor etwas angestaubten Lebensstil wieder zu neuem Glanz.

In seinem fahrbaren Untersatz zu leben ist dabei tatsächlich aber keine neue Erfindung. Schon im 18. Jahrhundert machten es Roma und Sinti als Nomaden in ihren Pferdekutschen vor.

Bis der gute Foster seinen Hashtag setzte, verband man mit dem Leben im Camper aber fast ausschließlich Aussteiger, Hippies oder Surfer.

Und was bis dahin noch eher als kleine Nische galt bzw. von vielen gar nicht wirklich wahrgenommen wurde, hat heute allein auf Instagram über 8.000.000 Beiträge zum Hashtag #vanlife.

Vanlife in Deutschland

Es dauerte zwar einige Jahre, aber etwa in 2016 “schwappte” der Vanlife Trend dann auch langsam zu uns nach Deutschland herüber. Wie zuvor bereits in Amerika, bildete sich auch hier relativ schnell eine große (und immer noch wachsende) Gemeinde von Fans dieses Lebens- und Reisestils.

Besonders in den sozialen Medien ist das Thema präsent. Inzwischen findet das Vanlife aber auch immer mehr Einzug in die Offline-Welt, z.B. in Form von Vanlife-Treffen, auf Messen oder in TV-Reportagen.

Mit dem Vanlife wurde auch die Nische der DIY Camper, also der selbst ausgebauten Wohnmobile, immer populärer.

Gebrauchte, aber auch neue Transporter und Busse, wie z.B. der Bulli, verkaufen sich inzwischen wie geschnitten Brot. Und werden von ihren stolzen Besitzern zu heimeligen Wohnmobilen ausgebaut.

Unser Jean gehört ebenfalls dazu. Wobei wir erst während des Ausbaus auf die Idee kamen, später auch mal in unserem Camper wohnen zu wollen.

Vanlife - Jean auf dem Waldparkplatz

Welche Autos eignen sich für Vanlife?

Egal ob Du in Voll- oder Teilzeit mit Deinem Van auf Reisen gehen möchtest, um das zu tun brauchst Du zunächst mal einen Van 😉

Das Wort “Van” dient hier allerdings mehr oder weniger als Platzhalter. Die Vielfalt der Fahrzeuge kennt im Vanlife nämlich fast keine Grenzen.

Auf dem Freiheitsmobile Treffen in Luxemburg haben wir z.B. schon jemanden gesehen, der mit Schwalbe und Zelt unterwegs ist bzw. war, inzwischen ist aus dem Zweirad nämlich ein “Trabbi” geworden.

Ansonsten reicht die Spanne von der gerade erwähnten Schwalbe bis hin zu großen LKW, die zu Offroad- bzw. Expeditionsmobilen ausgebaut werden.

Und natürlich fehlen auch “ganz normale” PKW nicht. Mit Dachzelten, Campingboxen oder einfach durch das Hineinlegen einer Matratze kannst Du auch diese Fahrzeuge in gemütliche Camper verwandeln.

Vanlife mit dem Minicamper

Wichtig ist, was Du möchtest

Wie Du sehen kannst, gibt es also viele Möglichkeiten für unterschiedliche Ansprüche. So muss es nicht unbedingt gleich ein neues Wohnmobil oder ein aufwändiger Selbstausbau sein.

Wichtig ist, was Du möchtest.

Wenn Du Dir noch nicht ganz sicher sein solltest, was das ist, dann wird Dir unser Beitrag “So findest Du den richtigen Van für Deine Abenteuer” bestimmt weiterhelfen.

Was kostet Vanlife?

Die Ausgaben variieren natürlich und wir leben ja noch nicht sehr lange im Camper, aber wir haben trotzdem mal versucht eine Beispielrechnung aufzustellen. Für diese sind wir von unserem Fall ausgegangen im Wohnmobil zu leben und keinen festen Wohnsitz mehr zu haben.

Das klingt zunächst mal deutlich günstiger, als eine Doppelhaushälfte mit ca. 100m² in Hamburgs Speckgürtel zu mieten. Aber obwohl keine Miete mehr zahlen zu müssen natürlich schon ein großes Ersparnis ist, bedeutet es leider nicht, dass wir gar keine Kosten mehr haben.

Zum Beispiel mussten wir ja überhaupt erst mal einen Transporter und das nötige Ausbau-Material kaufen. Ein kleinen Teil davon haben wir mit unseren Ersparnissen abgedeckt und den Rest dann Stück für Stück gekauft, wenn sich wieder etwas Geld auf unserer hohen Kante angesammelt hatte.

Schneller wäre es natürlich gegangen, wenn wir uns einfach etwas Knete von der Bank geholt hätten, dann wäre der Ausbau durch die Zinsen insgesamt aber teurer geworden und wir hätten die Kreditraten an der Backe.

Von diesen “Initialkosten” einmal abgesehen, sind die monatlichen Ausgaben natürlich auch stark vom jeweiligen Lebensstil abhängig.

Wir haben uns aber trotzdem mal ein paar Gedanken dazu gemacht, mit welchen Kosten man beim Vanlife rechnen sollte.

Monatliche Kostenpunkte im Überblick

  • Benzin / Diesel: Hier gibt es eigentlich überhaupt keinen Richtwert. Die einen fahren mehr und die anderen weniger. Zusätzlich können die Literpreise je nach Land und Region variieren. Für unsere Beispielrechnung gehen wir einfach mal von 120€ pro Monat aus. In den meisten Fällen sollte das für knapp 900 – 1.000 Kilometer ausreichen.
  • Camping- oder Stellplätze: Wenn sich kein passender Ort zum Freistehen findet, dann bleibt oft nur der Besuch eines Camping- oder Stellplatzes. Zwar sind Letztere teilweise kostenfrei, aber leider kann man sich ja nicht darauf verlassen. Daher sollte immer etwas “Kleingeld” für den Besuch eines Camping- / Stellplatzes eingeplant werden. Wir legen ganz grob 40€ dafür zur Seite.
  • Ver- und Entsorgung: Kommen wir zum nächsten variablen Kostenpunkt 😉 Wir müssen etwa einmal pro Woche unser Abwasser entsorgen, den Urintank leeren und Trinkwasser auffüllen. Die Entsorgung ist bei vielen Stationen zum Glück kostenfrei, so das wir nur für Trinkwasser ein paar Euro investieren müssen. Diese Kosten halten sich mit ca. 10€ bisher aber sehr in Grenzen.
  • Lebensmittel: Hatten wir schonmal durchklingen lassen, dass die meisten Kostenpunkte sehr variabel sind? Die Lebensmittel bilden da natürlich keine Ausnahme. In unserem Fall ist es einer der wenigen Bereiche, die im Van teurer sind, als vorher. Da die Lagermöglichkeiten “etwas” begrenzter sind, müssen wir nämlich öfter und frischer einkaufen. Wir rechnen vorerst aber trotzdem noch mit unseren “alten” Ausgaben von monatlich 400€ weiter.
  • Gas: Wir haben unsere erste 5Kg-Gasflasche zwar noch nicht leer bekommen, rechnen aber damit, dass wir sie, bei intensiver Nutzung, ungefähr alle drei Monate gegen eine volle eintauschen müssen. Das wären umgerechnet etwa drei Euro pro Monat.
  • Strom: Kein Haus, keine Stromkosten? Kann stimmen, muss es aber nicht 😉 Wir können unseren Stromverbrauch bisher komplett mit Sonnenenergie abdecken. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Strom die beiden Panels liefern. Wenn wir aber doch mal an die Steckdose müssen, werden dafür auf den meisten Camping- oder Stellplätzen etwa 0,50€ pro Kilowattstunde fällig. Das dürfte zwar so gut wie nie nötig sein, wir planen aber trotzdem mal einen Euro dafür ein 😉
  • Klamotten: Das Stammsortiment füllt unsere Kleiderschränke eigentlich schon ziemlich gut. Von daher brauchen wir in nächster Zeit erst mal nichts Neues. Wir haben ja auch gerade erst aussortiert 😉 Über kurz oder lang kann sich das aber natürlich wieder ändern, wenn z.B. etwas kaputt geht oder wir aus einzelnen Teilen herauswachsen. Wir rechnen aber trotzdem nicht mit regelmäßigen Kosten.
  • Internet (Camper): In diesem Punkt zahlen wir definitiv mehr als vorher. Der unlimited LTE-Tarif schlägt mit knapp 80€ pro Monat zu Buche. Im Haus war es noch die Hälfte.
  • Mobilfunktarife (Smartphones): Hier ändert sich nichts. Unsere Tarife kosten zusammen etwa 20€ monatlich.
  • Hygiene / Kosmetik: Dieser Punkt sollte etwas günstiger werden, da wir ja weniger Platz zur Verfügung haben. Noch mussten wir zwar nichts nachkaufen, aber über den Daumen gerechnet müssten wir mit ca. 15 – 20€ im Monat auskommen.
  • Maut: Ein Thema, welches bei längeren Touren, besonders auch in anderen Ländern aktuell werden könnte ist die Maut. Die Kosten variieren hier allerdings von Ort zu Ort. Bei uns fallen hier aber momentan keine regelmäßigen Kosten an.
  • Reparaturen / Wartung: Es kann immer mal etwas kaputt gehen und es gibt Wartungsintervalle oder Untersuchungen (HU, ASU, Gas), die eingehalten bzw. wahrgenommen werden sollten. Es empfiehlt sich also etwas Geld dafür zurückzulegen. Regelmäßige Kosten sind das aus unserer Sicht aber (hoffentlich) nicht.
  • KFZ-Versicherung: Unser Jean ist als Wohnmobil zugelassen, so dass die Versicherungskosten relativ günstig ausfallen. Mit Schadenfreiheitsklasse zwei zahlen wir gerade etwa 45€ pro Monat.
  • Steuern: Die sind mit 470€ pro Jahr, also monatlich umgerechnet ca. 12€ leider relativ teuer, aber zum Glück noch bezahlbar.
  • Sonstiges (Kleinkram, Kino, Essen gehen): Etwas Taschengeld schadet nie. Dafür planen wir aber keinen festen Betrag ein.

In Summe liegen unsere monatlichen Vanlife-Ausgaben also bei ca. 750€. Im Haus waren es allein für die Warmmiete und Strom schon etwa 1.200€. Der Unterschied ist also schon ziemlich deutlich.

Vanlife in der Kritik

Natürlich gibt es nicht nur Anhänger und Fans der Vanlife-Bewegung. Das ist auch ganz normal, schließlich kann nicht jedem immer alles gefallen. Und es wäre ja auch irgendwie langweilig, wenn jeder das gleiche Hobby hätte.

Aber von unterschiedlichen Meinungen mal abgesehen gibt es zur Zeit leider auch ein wachsendes Problem in Bezug auf den Ruf der Camper, Freisteher und Vanlifer. Diese werden nämlich immer öfter mit Wildcampern in Verbindung gebracht, die das Thema Freiheit auf ihre ganz eigene Art und Weise interpretieren.

Nämlich so, als wenn für sie einfach gar keine Regeln mehr gelten würden.

Es wird sich über Absperrungen und Verbote hinweggesetzt um einen schönen Stellplatz für sich allein und noch “näher an der Natur” finden zu können. Das diese aber darunter leiden und sogar nachhaltig geschädigt werden kann, fliest dabei offensichtlich nicht mit in den Gedankengang dieser Personen mit ein. Vielleicht ist es ihnen aber auch einfach egal.

Ein Beleg für letzteres wären z.B. die Müllberge, die nach der Abreise in der freien Natur zurückgelassen werden. Wie kommen diese Leute eigentlich auf die Idee, dass das auch nur ansatzweise und in irgendeiner Form O.K. sein könnte?

Und wegen dieser rücksichtslosen Person werden leider auch zunehmend die übrigen Camper, Vanlifer und Freisteher in ein schlechtes Licht gerückt. Auch wenn sich diese an Verbote halten und ihren Stellplatz größtenteils sogar sauberer hinterlassen, als sie ihn vorgefunden haben.

Das Team von Vanlust hat sich zu diesem Thema übrigens auch ein paar Gedanken gemacht und ein kleines Regelwerk in Form von 10 Geboten veröffentlicht, die dabei helfen sollen die Themen Camping, Freistehen und Vanlife wieder ins rechte Licht zu rücken.

Was bedeutet Vanlife für Dich?

Kommen wir zur wichtigsten Frage: Was bedeutet Vanlife für Dich? Ist es nur ein neumodischer Begriff für Camping, oder steckt doch mehr dahinter? Ist es nur ein kurzer Trend, oder bereits ein etablierter Lebens- bzw. Reisestil? Und ist man schon ein Vanlifer, wenn man seine Wochenenden “auf der Straße” verbringt, oder steht das Life in Vanlife für Dich tatsächlich dafür auch voll und ganz im Van zu leben?

Wir freuen uns auf Deinen Kommentar.

Moin, wir sind Cathi und Flo. Vanarang.de ist ein Vanlife Blog über Roadtrips, unseren Wohnmobilausbau und der Freude daran schöne Orte zu besuchen.

Kommentare

  • Ralf Kauhaus
    21. September 2019

    Hallo
    Könnt ihr ein Treffen eintragen auf eurer Website?

    VanLife NRW Treffen
    Saisonopening
    20-22.03.2020
    https://www.freizeitpark-klaukenhof.de/camping/

    Liebe Grüße
    Ralf Kauhaus

    Antworten
  • 27. September 2019

    Ein Traum, welchen wir nicht aus den Augen verlieren. Momentan lese ich unheimlich gerne Blogs von Menschen, welche ihn bereits leben. Danke für den tollen Artikel.

    Antworten
  • 13. Januar 2020

    Hey ihr 2! 🙂

    Ich bin aufgrund meiner Recherche für meine Masterarbeit auf euren Blog gestoßen.
    Hab mir letztes Jahr auch meinen Van umgebaut und will dieses Jahr voll ins Vanlife starten.

    Ihr habt hier einen sehr gelungen Blogartikel verfasst.
    Besonders eure Definition des Wortes “Vanlife” gefällt mir sehr gut!

    Liebe Grüße,
    Daniel

    Antworten
  • 7. November 2020

    ich find das ja so so spannend! verfolge auf Instagram zb super gerne Bloggern, die genau dieses Leben leben und die Leute mitnehmen 😀 die Kostenaufstellung fand ich auch super spanned! So sieht man gleich mal, wie viel das Leben im Van in etwa kosten könnte.

    Liebe Grüße
    Alice Christina von http://www.alicechristina.com

    Antworten

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